Wie Entstehen die Gezeiten?

Eine Geschichte vom Mond, der Erde und einer Menge Wasser

Gezeiteneffekt der Sonne

Bislang haben wir uns auf die Gezeitenwirkung des Mondes konzentriert. In diesem Abschnitt werden wir nun untersuchen, wie die Gravitationskraft der Sonne sich auf die Gezeiten auswirkt. Die Sonne ist zwar deutlich schwerer als der Mond, allerdings ist sie auch ungefähr 390 mal weiter von der Erde entfernt als der Mond. Aus diesem Grund ist Ihr Einfluss auf die Gezeiten nur ungefähr halb so groß, wie der des Mondes. Die Berechnung der Gezeitenbeschleunigung ist identisch, wie beim Mond:

Das Ergebnis ist in der folgenden Animation dargestellt. Da die Sonne wegen Ihrer Größe und Entfernung nicht sinnvoll dargestellt werden kann, wird sie hier durch ihre Lichstrahlen symbolisiert. Betrachtet man Sonne und Mond zunächst isoliert, so zeigen sich nunmehr vier Gezeitenberge. Zwei sind auf den Mond ausgerichtet (weiße Pfeile) und zwei kleinere auf die Sonne (orange Pfeile). Auf der Erde kann man die Wirkung von Sonne und Mond allerdings nicht isoliert beobachten, denn beide Beschleunigungen überlagern sich. Die Wirkung der Sonne kann sich also der Wirkung des Mondes, je nach Stellung am Himmel entweder konstruktiv (verstärkend) oder destruktiv (abschwächend) überlagern.

Gezeitenbeschleunigung des Mondes (weisse Pfeile) und der Sonne (orangefarbene Pfeile). Die bleue Ellipse ist die konvexe Hülle der Summe aus beiden Beschleunigungen. Sie symbolisiert den Meeresspiegel.

Addiert man beide Beschleunigungsvektoren, so erhält man die resultierende Gezeitenbeschleunigung. In Animation 4 wird auf eine Visualisierung in Vektorform verzichtet, anstelle dessen wird nur die Konvexe Hülle der Gezeitenbeschleunigungsvektoren als blaue Ellipse dargestellt. Sie symbolisiert den Meeresspiegel.

Springflut und Nippflut

Nippflut (auch Nipptide genannt) tritt bei Halbmond auf, wenn Sonne Mond und Erde in einem 90 Grad winkel zueinander stehen. Unter diesen Bedingungen überlagern sich die Gezeitennkräfte von Mond uns Sonne destruktiv. Bei Nipptide ist der Unterschied wischen Ebbe und Flut minimal.

Bei Halbmond, wenn Sonne, Erde und Mond in einem 90 Grad Winkel stehen überlagern sich die Gezeitenberge von Sonne und Mond destruktiv. Es entseteht eine sog. Nippflut (of. Nipptide).

Das Gegenteil einer Nippflut ist die Springflut (oder auch Springtide). Eine Springflut entsteht, wenn Sonne, Mond und Erde auf einer Linie liegen. Dies passiert immer bei Neumond und bei Vollmond. Die Gezeitenkräfte von Sonne und Mond überlagern sich dann konstruktiv und es kommt zu starken Unterschieden zwischen Ebbe und Flut.

Wenn Erde, Sonne und Mond auf einer Linie ligen addiert sich die Gezeitenwirkung der Sonne und die des Mondes. Der entstehende Gezeitenberg ist besonders hoch. Dieser Zustand wird Springflut (od. Springtide genannt).
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