Alte Elisabeth Fundgrube

Die Obertageanlagen der Alte-Elisabeth Fundgrube. (Gebläsehaus wurde 1936 errichtet, Scheidebank wurde 1913 abgerissen)

Die "Alte Elisabeth" (Freiberg) ist Teil der Himmelfahrt Fundgrube und ein ehemaliges Silberbergwerk in Sachsen. Sie ist Teil der seit dem 11. Jahrhundert entstandenen Bergbaulandandschaft im Erzgebirge und gehört seit dem Jahr 2019 zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge. Heute wird sie als Lehr- und Forschungsbergwerk der TU-Bergakademie Freiberg benutzt. Die Ober- und Untertägigen Anlagen befinden sich in Nähe des Stadtzentrums von Freiberg.

Geschichte der Alte Elisabeth Fundgrube

1511 - 1769: Die Anfänge der Grube

Nachbildung einer Haspelkaue auf der Halde des Butterschachtes vor der Einfahrt der "Alten Elisabeth". Mittels Handhaspel wurde das Material über Tage befördert. Die "Sanct Elisabeth" Grube verfügte über eine 5 stufige Handhaspelförderung, die im Jahr 1807 eingestellt wurde.
Himmelfahrt sammt Abraham Fundgrube 1856. (Album der Sächsischen Industrie Erster Band)

Durch eine Erwähnung im älteste Bergbelehungsbuch des Freiberger Bergamtes für die Jahre 1511-1520 ist heute bekannt, daß die Grube bereits im Jahr 1511 existierte. Dort steht:

"Anno 1500 im 11. Jahre hab ich Donat Seyffner bergmeister v'lyhen Urban Fleischer dy neste mass nach Sanct Elßbetten aufn Kyperßberge den gewerken yn Sanct Elysabetten..."

Übersetzt heißt das, daß die Gewerke "Sanct Elisabeth Fundgrube" im Jahr 1511 angrenzende Grubenfelder erwarben [1]. Der damalige Schacht befand sich etwa 200 m nordwestlich vom heutigen. Die ersten Silberlieferungen sind für das Jahr 1516 belegt. Im Jahr 1570 erreichte der Schacht bereits 80 m Teufe. Den Namen "Alte Elisabeth Fundgrube" bekam die Grube im Jahr 1670, als sich die Fundgruben "Sanct Elisabeth" und "Heylige Dreifaltigkeit" zusammenschlossen.

Die Namensgeberin der Grube war die heilige Elisabeth (Elisabeth von Thüringen), die Gemalin von Ludwig, dem Heiligen, Landgraf von Thüringen. Sie wurde nach Ihrem Tod im Jahr 1231 von der katholischen Kirche heilig gesprochen (1235) und später in weiten Teilen Deutschlands verehrt.

1769 - 1843: Umstrukturierung, Neuer Schacht, Ersten Sillegung

Im Jahr 1769 [4] (1761 nach [3]) wird die Grube ein Beilehen der "Himmelfahrt samt Abraham" Fundgrube. Bis zum Jahr 1807 erfolgte der Betrieb der Grube mittels 5 Stufige Handhaspelförderung. Die alte Halde des damaligen Schachtes befindet sich heute ungefähr 220 m nordwestlich der heutigen Grubengebäude direkt hinter der Gaststätte der Gartenanlage "Silberblick".

Umfangreiche Silberfunde machten Ihre Besitzer ab Mitte des des 19. Jahrhunderts reich. In dieser Zeit entstanden die heute noch erhaltenen Übertageanlagen. Diese haben als einzige Bergwerksgebäude des sächsischen Erzbergbaus neben der äußeren Erscheinungsform auch noch die originalen Innenausstattungen. Dazu gehören eine Balancierdampfmaschine mit Schachtförderung die Bergschmiede mit Zimmermannswerkstatt sowie Scheidebank und Betstube.

Ein tonnlägiger, im Winkel von 45 Grad in Richtung der Stadt einfallender Schacht, wurde in den Jahren 1808-1811 abgeteuft. Der Schacht folgte dem Erzgang. Im Jahr 1811 wurde ein Pferdegöpel und zur Wasserhaltung ein Kunstrad installiert.

1843 wird die Grube aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Schlechtes Erz und fehlende Mittel für die weitere Erkundung machen den Weiterbetrieb unwirtschaftlich. Die Gebäude, darunter der Pferdegöpel, werden abgetragen, der Schacht verwahrt.

1847 - 1913: Industrialisierung des Bergbaus

Unteres Bremsbergfüllort in der 8. Gezeugstrecke des Alte Elisabeth Schachtes. (Foto: Heinrich Börner [6]; 1892; koloriert)

In den Jahren 1847-1848 wird die Fundgrube mit dem Ziel wieder aufgefahren, tiefer gelegenes Erz abzubauen und einen zweiten Betriebspunkt für die Auffahrung des Rothschönberger Stollns zu schaffen. In den Folgejahren erfolgten weitere bauliche Veränderungen, so 1849 der Einbau einer Dampfmaschine durch die Firma Constantin Pfaff aus Chemnitz. Es entstand ein für sächsische Bergwerke mit Dampfförderanlage typischer Grubengebäudetyp mit gestaffeltem Aufbau: Kesselhaus, Maschinenhaus und Schachtgebäude (Treibehaus).

Später wurde an das Treibehaus eine Scheidebank mit 13 Scheideörtern angebaut, die bald zu klein wurde. Aus diesem Grund erweiterte man die Scheidebank auf 30 Scheideörter an der westlichen Seite des Grubengebäudes. Die alte Scheidebank wurde fortan als Steigerstube genutzt. Noch heute sind dort zugemauerte Fenster und ein Podest zu erkennen.

Die Bauabschnitte im Einzelnen (nach [1]):

  • 1808 - 1811: Abteufen des tonnlägigen Schachtes. Bau von Pferdegöpel und Kunstrad.
  • 1848: Bau von Kesselhaus, Fördermaschinenhaus und Treibehaus
  • 1849: Inbetriebnahme der Balancierdampfmaschine
  • 1851: Anbau eines Scheidehauses an der Südseite des Treibehauses
  • 1856: Anbau einer Scheidebank am westlichen Giebel. (Seit 1864 Betstube)

Im Jahr 1913 werden alle staatlichen Bergwerke im Freiberger Revier infolge eines drastischen Silberpreisverfalls stillgelegt. Auch die Alte Elisabeth Fundgrube wird geschlossen. Bei Stillegung hatte der Schacht eine Teufe von 460 m.

1919 - Heute: Lehr- und Forschungsbergwerk

Im Jahr 1919 übernimmt die TU Bergakademie Freiberg die Über- und Untertageanlagen und nutzt diese seitdem für die praktische Ausbildung von Studenten. Der Schacht der Alten Elisabeth wird heute für die Bewetterung des Lehrbergwerkes genutzt und dient als Rettungsschacht. Das Institut für Geophysik und Geoinformatik nutzt ihn als Standort für einen Seismographen. (24 h Seismogramm; Stationscode FBE auswählen)

Übertageanlagen der Alte Elisabeth um 1917 (Nach einer Zeichnung von Fritz Bleyl, [5]).

Die Obertageanlagen der Alte Elisabeth Fundgrube

Die Alte Elisabeth, früher im Volksmund auch "Alte Liese" genannt [5], ist die einzige erhaltenen Bergwerksanlage des Erzgebirges mit originaler Innenausstasttung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie hat einen für Bergwerke dieser Region typischen abgestuften Aufbau. Das Treibehaus ist das höchste Gebäude, darin befindet sich der Schacht mit der Seilfahrt. Rechts daneben befindet sich ein Maschinenhaus und direkt neben diesem ein kleineres, zur Straße hin abgesetztes Kesselhaus, das über einen Rauchkanal mit einem Schornstein verbunden ist. Auf der anderen Seite des Treibehauses (westlich zur Stadt hin) wurde eine Scheidebank angebaut.

Als die Belegschaft der Grube größer wurde, baute man eine weitere Scheidebank auf einer Stützmauer hinter dem Gebäude. Von da konnte man die Erze leicht in die, auf dem heutigen Fuchsmühlenweg, wartenden Erzwagen stürzen und von dort zur nahegelegenen Erzwäsche bringen. In der Bruchsteinmauer kann man noch heute die Öffnungen erkennen über die das Erz in die Erzwagen befördert wurde. Diese Scheidebank ist nicht mehr erhalten. Mit der Errichtung der zweiten Scheidebank wurde die ursprüngliche Scheidebank zur Betstube. Als solche ist sie bis heute erhalten geblieben.

Weitere freistehende Gebäude auf der Halde sind eine in Ziegelbauweise errichtete Bergschmiede, sowie das als Fachwerkhaus errichtete Schutzhaus des Schwarzenberg-Gebläses. Das Gebläse und sein Schutzhaus gehören nicht zu den originalen Übertageanlagen der Grube. Es ist das ehemalige Hüttengebläse der Antonshütte, das später zur Halsbrücker Hütte umgesetzt wurde. Auf der Halde ist es musal aufgestellt. Es wurde im Jahr 1936 mit einem Schutzhaus vor der Witterung geschützt.

Schematische Darstellung der Tagesanlagen der Grube "Alte Elisabeth". (Darstellung basiert in Teilen auf einer Zeichnung von Fritz Bleyl [5]).

Weiterführende Artikel

Das Schwarzenberggebläse

Das Schwarzenberggebläse ist das ehemalige Hochofengebläse der königlich sächsichen Antonshütte. Es steht heute in einem Schutzhaus auf der Halde der Alte Elisabeth Fundgrube und ist eines der bedeutendsten Zeugnisse neugotischer Industriearchitektur.

Maschinen- und Kesselhaus

Das Maschinenhaus der Alte Elisabeth Fundgrube ist heute noch mit seiner originalen Innenausstattung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts enthalten. Darin befindet sich unter anderem die originale Fördermaschine, eine Balancierdampfmaschine Wattschen Typs.

Huthaus und Betstube

Bereits im Jahr 1595 führte Kurfürst Christian II. die Andachtspflicht in den sächsischen Bergwerken ein. Damit wurden Betstuben Bestandteil der Übertageanlagen von Bergwerken. Im Jahr 1864 wurde die ursprüngliche Scheidebank der Alten Elisabeth Fundgrube in eine Betstube umgebaut.

Weblinks

Quellenverzeichnis

  1. Herbert Pforr, Reimund Brendler: "Exkursionsführer Lehrgrube "Alte Elisabeth", Heft 1: Die Tagesanlagen der Lehrgrube "Alte Elisabeth""; Hrsg.: TU Bergakademie Freiberg, Freiberg 1981; Seiten: 10-11; 35-36; 52-54 (Wassersäulenmaschine)
  2. Herbert Pforr, Heinz Schützel, Ludwig Baumann: "Exkursionsführer Lehrgrube "Alte Elisabeth". Heft 2/3: Geologie und bergbaulicher Aufschluss der Freiberger Erzlagerstätte"; Hrsg.: TU Bergakademie Freiberg, Freiberg 1985
  3. Wikipedia: "Wassersäulenmaschine - Wikipedia, Die freie Enzyklopädie" Online; Stand 28. September 2020
  4. Dr. Bayer, Lehrbergwerk: "Die Himmelfahrt Fundgrube 1848-1998; 150 Jahre Dampffördermaschine auf der Schachtanlage Alte Elisabeth / Freiberg"; Hrsg.: Rektor der Bergakademie Freiberg; Verlag: TU Bergakademie Freiberg; Seite 23
  5. Fritz Bleyl: "Baulich und volkskundlich Beachtenswertes aus dem Kulturgebiete des Silberbergbaues zu Freiberg, Schneeberg und Johanngeorgenstadt im sächsischen Erzgebirge."; Hrsg.: Landesverein Sächsischer Heimatschutz; Dresden 1917; Seite 89
  6. Heinrich Börner: Der Bergmann in seinem Berufe - Bilder aus den Freiberger Gruben "; Hrsg.: Verlag von Graz und Gerlach, Freiberg 1892

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