Bergmännische Begriffe

A

Anschläger

Der Anschläger ist ein Bergmann, der auf der Hängebank oder im Füllort die Signalanlage für die Kommunikation mit dem Maschinisten bedient. Er gibt mittels Schlägen die Steuerbefehle für die Material- und Güterförderung und ist für die Sicherheit der Seilfahrt verantwortlich. Er öffnet und schließt die Schachttore und fördert Material und Menschen in die Grube hinein und heraus. Es ist eine Position, für die nur speziell unterrichtete und verantwortungsvolle Personen eingesetzt wurden.

Die Bedeutung der Schläge ist auf einer Anschlagtafel in Schachtnähe dargestellt. Der Begriff kommt ursprünglich aus einer Zeit, in der mit Fördertonnen gefördert wurde. Diese mussten bei jedem Treiben ans Seil an- bzw. abgeschlagen werden.

Anschläger unter Tage (Links). Originaltitel: Himmelfahrt Fundgrube, Alte Elisabeth Schacht Bremsberg. Entleerung einer Tonne abwärts geförterter Massen. (Foto E. Oehme; Postkartenserie: "Freiberger Motive VI Bergmännische Szenen um 1900")
Anschlagtafel des Alte Elisabeth Schachtes (Freiberg).

B

Bewetterung

Unter Bewetterung einer Grube versteht der Bergmann alle technischen Maßnahmen um einem Grubenbau frische Luft zu- und verbrauchte Luft abzuführen. Das ist notwengig, da in Grubenbauen Luft nicht in ausreichendem Maße natürlich zirkulieren kann. Ohne Frischluftzuvor würden die Bergleute ersticken.

Schächte, die der Grubenbewetterung dienen, nennt man Wetterschächte. In tiefen Bergwerken dient die Bewetterung auch der Temperaturregulierung durch abführen der natürlichen Erdwärme aus dem Grubengebäude.

F

Fahrt

In der Bergmannssprache bezeichnet eine Fahrt eine im Bergwerk eingesetzte Leiter. Historisch waren Fahrten oft aus Holz aber auch eiserne Fahrten sind häufig anzutreffen. Der Ausdruck geht auf das Verb "fahren" zurück, das ursprünglich "fortbewegen" bedeutete ohne dabei eine spezielle Art der Fortbewegung im Sinn gehabt zu haben.

Das hinabsteigen in die Grube bezeichnet der Bergmann als "Einfahren", das hinaufsteigen als "Ausfahren". Wenn das ein- bzw. ausfahren mittels eines an einem Seil hängenden Förderkorbes stattfindet, spricht der Bergmann von einer "Seilfahrt".

Förderkorb, Fördergerüst

In Analogie zu einem Gebäude nennt man den unterirdischen Teil eines Bergwerks auch Grubengebäude. Der Förderkorb ist in diesem Bild das Gegenstück zu einem Fahrstuhl.

Förderkörbe werden, in einem Fördergerüst hängend für die Seilfahrt eingesetzt. Sie transportieren Menschen und Material in das Bergwerk hinein und wieder heraus. Förderkörbe können mehrere Etagen haben und sind oft mit Schienen versehen, um die bei der Streckenförderung verwendeten Grubenhunte aufzunehmen. Das Fördergerüst mit seinen großen Seilscheiben ist oft weithin sichtbares Wahrzeichen der Obertageanlagen eines Bergwerkes.

Museal aufgestellter Förderkorb auf der Reichen Zeche in Freiberg.
Das Fördergerüst der Reichen Zeche mit seinen roten Seilscheiben ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt Freiberg.

Fördertonne

Füllort

Die Bezeichnunge "Füllort" deutet bereits darauf hin, dass dies der Platz ist, an dem die Förderkörbe befüllt wurden. Das Füllort ist das untergägige Gegenstück zur Hängebank. Es befindet sich an der Schnittstelle zwischen eimem Schacht und einer Strecke bzw. einem Stolln. Hier findet der Übergang von der Streckenförderung zu Schachtförderung statt. Die Funktion des Füllorts ähnelt der eines untertägigen Bahnhofs. Bergleute steigen hier auf ihrem Weg in oder aus der Grube um oder aus und es wird Material in die Grube hinein- oder herausbefördert.

Tiefstes 12. Füllort im Abrahamschacht (Foto: Heinrich Börner; [1])
Rollenfüllort im Abrahamschacht (Foto: Heinrich Börner; [1])
Bremsbergfüllort in der 7. Gezeugstrecke b. Alte Elisabeth (Foto: Heinrich Börner; [1])

G

Gang

Bezeichnung der Gänge nach ihrem Streichen.

Ein Gang ist ein langgestreckter Gesteinskörper, der durch Ausfüllen existierender Spalten und Klüfte eines anderen Gesteinskörpers entstanden ist. Gänge sind meist Platten oder Linsenförmig.

Gänge, die durch Eindringen von magmatischen Schmelzen entstanden, nennt man Gesteinsgängen, solche die durch Ausfällen von Mineralien aus wässriger Lösung entstanden, nennt man Mineralgänge. Wenn ein Gang genügend Erz enthält, um wirtschaftlichen Abbau zu ermöglichen, spricht man von einer Ganglagerstätte. Die Lagerstätten des Freiberger Reviers sind Ganglagerstätten, die durch Eindringen mineralischer Wässer in existierende Spalten und Klüfte des Gesteins entstanden sind.

Die Richtung, in der ein Gang verläuft, nennt man Streichrichtung. Im Bergbau werden Gänge nach ihrer Streichrichtung benannt. Man unterscheidet Stehende Gänge (Nord-Nordost), Morgengänge (Nordost-Ost), Spatgänge (Ost-Südost) und Flache Gänge (Südost-Süd). Als Beispiel sei hier auf den ungefähr in Nord-Süd Richtung verlaufenden "Hauptstollngang Stehenden" verwiesen. Dieser Gang, der sich unter der Grube Reiche Zeche in Freiberg befindet ist vermutlich der zuerst ausgebeutete Erzgang des Freiberger Reviers.

Grubengebäude

Das Grubengebäude, auch Berggebäude genannt, ist der unterirdische Teil eines Bergwerks. Es beinhaltet die Gesamtheit der Grubenbaue in einem Bergwerk. (Tagesöffnungen, Querschläge, Schächte, Stollen, Strecken, Grubenbauen, Abbaue ...)

Früheste bekannte Darstellung eines Kehrrades aus Agricolas "De re metallica".

K

Kehrrad

Ein Kehrrad ist ein oberschlächtig beaufschlagtes Wasserrad mit zwei Gegenläufigen Schaufelkränzen, das je nach Richtung der Beaufschlagung seine Drehrichtung ändern kann. Mit Kehrrädern konnten im Bergbau Fördereinrichtungen betrieben werden, da man durch den Richtungswechsel Fördertonnen heben bzw. ablassen konnte.

Die älteste bekannte Darstellung eines Kehrrades ist im Hauptwerk von Georgius Agricola "De re metallica" aus dem Jahr 1556 zu finden.

S

Seigere Schächte

Ein seigerer Schcht ist ein Schacht, der nahezu senkrecht zur Erdoberfläche einfällt.

Sohle

In der Regel bestehen Bergwerke aus mehreren übereinander liegenden Sohlen, zumindest aber aus einer. Als Sohle bezeichnet der Bergmann einen Teufenbereich in einem Bergwerk in dem Grubenbaue aufgefahren sind. Man kann Sohlen daher auch als die "Etagen" des Grubengebäudes sehen.

In einer zweiten Bedeutung des Begriffes bezeichnet "Sohle" auch den Boden eines Stollns (Stollensohle).

T

Schachtabteufen (aus: Der Kohlenbergman in seinem Berufe: dreissig Bilder aus Kohlenbergwerken, mit magnesiumlicht Aufgenonmmen von Heinrich Börner, Freiberg in Sachsen 1894)

Taubes Gestein

Taubes Gestein ist in der Bergmannssprache die Bezeichung für Gestein, das kein Erz enthält und wirtschaftlich nicht verwertbar ist. Beim Abbau von Rohstoffen werden auch immer große Mengen an taubem Gestein gefördert, das auf Halden abgelagert wird.

Gelegentlich werden diese Halden später, wenn eine wirtschaftlich Ausbeute des Erzes möglich ist wieder aufgearbeitet. Ein Beispiel hierfür ist der Bergbau in Potosi, wo heute noch alte Halden aus der Blütezeit des Silberbergbaus 1542-1820 aufgearbeitet werden um Zinn zu gewinnen.

Teufe, abteufen

Der Bergmann spricht nicht von Tiefe, sondern von Teufe. Die Teufe gibt an, wie tief sich etwas, zum Beispiel eine Lagerstätte oder ein Schacht, unter Tage befindet. Sie wird immer von einem Bezugspunkt angegeben. Das niederbringen eines Schachtes wird auch "abteufen" genannt.

In der Frühzeit des Bergbaus waren Abbaurechte auf bestimmte Teufenbereiche beschränkt. In diesem Zusammenhang bezeichnet man Teufenbereiche, die bergmännisch nicht mehr erschlossen werden können auch als "ewige Teufe". Abbaurechte bis in die "ewige Teufe" beinhalten also theoretisch den gesamten Teufenbereich der festen Erdkruste.

Tonnlägige, seigere und flache Schächte

Blick in den tonnlägigen Schacht der Alte Elisabeth Fundgrube in Freiberg.

Ein tonnlägiger Schacht ist ein Schrägschacht. Der Bergmann bezeichnet Grunbenbaue, die nicht senkrecht (in Bergmanssprache: seiger) sondern in einem Winkel von 45° bis zu 75° zur Waagerechten einfallen als tonnlägig. Der Begriff wurde ursprünglich für geneigte Schächte verwendet, in denen die Fördertonne nicht hängend, sondern auf einer der Schachtflächen aufliegend gefördert wurde.

Diese Schächte folgen in der Regel dem Einfallen der Ganglagerstätten und waren weit verbreitet, da mit ihnen lange Querschläge vermieden werden konnten. Die vertikale Teufe eines tonnlägigen Schachtes wird als Seigerteufe bezeichnet. Schächte mit größeren Fallwinkeln werden als "seiger Schächte" bezeichnet, solche mit kleineren als "flache Schächte".

Quellenverzeichnis

  1. Heinrich Börner: Der Bergmann in seinem Berufe - Bilder aus den Freiberger Gruben "; Hrsg.: Verlag von Graz und Gerlach, Freiberg 1892

Kramecke

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