Der Silberrausch von Virgina und die Folgen

Die Anfänge

Im Jahr 1859 begann in Nevada (USA) ein Silberrausch, dessen Auswirkungen man weltweit spüren sollte und der am Ende dazu beitragen würde Silber global als Währungsmetall abzulösen. Seinen Anfang nahm er in Virgina City, einer der ältesten Siedlungen Nevadas, deren rascher Aufstieg und Niedergang eng mit dem Edelmetall verbunden sein sollte. Zum Freiberger Bergbau gibt es zwei Verbindungen. Zunächst einmal eine negative, denn der Silberpreisverfall setzte den Gruben des Freiberger Reviers wirtschaftlich zu. Andererseits zeigte sich auch hier, dass woimmer im 19. Jahrhundert Bergbau betrieben wurde, Absolventen der Bergakademie Freiberg nicht weit waren. In diesem Fall der deutsche Auswanderer Philip Deidesheimer. Seiner Erfindung war es zu verdanken, das der Abbau in großem Umfang sicher durchgeführt werden konnte.

Im Jahr 1859 wurde die "Comstock Lode", eine reichhaltige Ganglagerstätte unter dem östlichen Hang des Berges Mount Davidson entdeckt. Es war die bedeutendste Entdeckung einer neuen Edelmetalllagerstätte seit dem Kalifornischen Goldrausch. Die Entdeckung löste Begeisterung in Nevada, Kalifornien und weiten Teilen der USA aus. In Virginia City wuchs die Bevölkerung rasant an. Im Jahr 1863 hatte die Stadt bereits über 15000 Einwohner. Auf dem Höhepunkt des Silberrausches im Jahr 1875 waren es 25000.

"Mining on the Comstock", Dargestellt sind Fördergerüste, Mühlenwerke der verschiedenen Gruben, sowie Bergwerkstechnologie die am Comstock-Gang Verwendung fand. In der Mitte ist das sogenannte "Square Set Timbering" zu sehen. Das ist eine vom deutschen Auswanderer und Absolventen der Bergakademie Freiberg Philip Deidesheimer entwickelte Methode für die Abstützung von Hohlräumen.

Die Lagerstätten

Zu Beginn konnte man das Erz noch oberirdisch abbauen. Doch schon bald wurde die Ganglagerstätte von mehreren Bergwerken ausgebeutet. Allein die "Gould and Curry Mine" hatte Stollen und Tunnel mit einer Gesamtlänge von über 8 km. Es fuhren bis zu 675 Bergleute im Dreischichtbetrieb ein. [8] Der Erzkörper bestand aus brüchigem, leicht abbaubarem Material. Es war ein Gemenge aus Quarz, Gold und Verbindungen von Silber mit Schwefel und Antimon. An einigen Stellen konnte man das Erz sogar mit der Schaufel abbauen. Durch die brüchige Beschaffenheit des Erzkörpers kam es in der Anfangszeit oft zu Grubeneinstürzen.

Der Abbau wurde erst sicherer, als Philip Deidesheimer, ein deutscher Auswanderer und Absolvent der Bergakademie Freiberg das "Square Set Timbering" erfand. Das war eine speziell auf die örtlichen Gegebenheiten ausgerichtete Methode der Bergwerksabstützung, in welcher das abgebaute Erz durch quadratische Holzrahmenkonstruktionen ersetzt wurde. Dafür wurden enorme Mengen an Holz benötigt, denn anders als im Gangerzabbau des Erzgebirges hatten die zurückbleibenden Hohlräume enorme Größen. Der Vorteil war jedoch, das man die Hohlräume später wieder mit taubem Gestein auffüllen und so verschließen konnte.

Die Silberkönige

Im Jahr 1871 organisierten die irischstämmigen Amerikaner John William Mackay, James Graham Fair, James Clair Flood und William S. O'Brien die "Consolidated Virginia" Silbermine. Sie erwarben einen 230 m langen Abschnitt des Comstock-Ganges für 80000 Dollar. Die Mine war abgesoffen und wurde wieder instand gesetzt. Später übernahm man auch die nahegelegene "California" Grube. In der Folgezeit wurde in der "Consolidated Virgina" die reichste je entdeckte Edelmetallader erschlossen. Der Abbau startete am 16. Oktober 1873 in 375 m Teufe. Im Oktober des Folgejahres entdeckte man in 500 m Teufe den reichsten Teil der Grube.

Folgen für das Währungssystem der USA

Im Jahr 1873 erließ der Kongress in Washington einen neuen Münzakt. Mit diesem Gesetz wurde das Ausmünzen von Silber beendet. Ab diesem Zeitpunkt war Silber kein Währungsmetall mehr und Amerika führte den Goldstandard ein. Vor 1873 basierte das amerikanische Währungssystem auf dem Bimetallismus. Das ist ein Währungssystem, das auf der Verwendung von Kurantmünzen aus Gold und Silber basiert. Ein Teil der Währungsmünzen besteht aus Gold, der andere Teil besteht aus Silber. Da Münzen einer Währung ineinander umgetauscht werden können, wird damit auch automatisch der Wert der Edelmetalle zueinander fixiert.

Nach dem alten Münzgesetzt hatte jeder das Recht Silber bei der Münze abzugeben und daraus Silberdollar münzen zu lassen. In Zeiten des hohen Silberpreises wurde bei den Münzstätten nur wenig Silber abgegeben, denn der Münzwert des Silbers war geringer als sein Edelmetallwert. Infolge der reichen Silberfunde in Nevada war absehbar, dass der Silberpreis fallen würde. Das würde dazu führen, das große Mengen Silber bei den Münzstätten eingereicht werden würden. Denn die Silbermünzen konnten zu einem festgelegten Kurs in Goldmünzen umgetauscht werden. Silber hätte dann in Münzform einen Wert, der über seinem tatsächlichen Marktwert liegen würde. Um dem vorzugreifen wurde im Münzakt von 1873 das Recht abgeschafft Silber in Währungsmünzen prägen zu lassen.

Silberdollar der nach dem Münzakt von 1873 geprägt wurde. Die Pfeile neben der Jahreszahl zeigen an, dass das Gewicht der Münze erhöht wurde um dem Silberpreisverfall Rechnung zu tragen. (Bildquelle: Heritage Auctions Lot 2474, 30 April 2009; via Wikimedia Commons)

The Crime of 1873

Die Folgen des Münzaktes von 1873 wurden erst 1876 offenbar, als der Silberpreis so weit gefallen war, das der Metallwert der Silbermünzen unter ihrem Nennwert lag. Bergleute und Minenbesitzer konnten das Silber nicht mehr direkt in in Währungsmünzen prägen lassen, weil die Nichterwähnung von Silber im Münzakt von 1873 Silber als Währungsmetall praktisch abgeschafft hatte. Eine Auslassung, die zunächst nahezu unbemerkt geblieben war, die von den Verfechtern des Bimetallismus später aber als "Crime of 1873" bezeichnet werden würde.

Dadurch geriet der Silberpreis weiter unter Druck. In einigen Landesteilen wurde Münzgeld knapp und vor dem Hintergrund einer sich entwickelnden Weltwirtschftskrise wurden Stimmen laut, den Bimetallismus wieder einzuführen um mit neuen Silbermünzen die Wirtschaft anzukurbeln und der um sich greifenden Deflation entgegen zu wirken.

Währenddessen musste der Bergbau in Virginia City unter großem technischen Aufwand in immer größeren Tiefen betrieben werden. Es wurden zwar immer noch Rekordmengen von Silber gefördert aber infolge von Silberpreisverfall und sich langsam erschöpfenden Lagerstätten zeichnet sich gegen Ende der 70'iger Jahre des 19. Jahrhunderts bereits sein Ende ab. Minenbesitzer fingen an Ihr Geld anderweitig zu investieren und Ihren Reichtum in politischen Einfluß umzuwandeln.

Das Ende

Insgesamt wurden zwischen 1860 und 1880 ungefähr 6,3 Millionen Tonnen Silber- und Goldhaltige Erze abgebaut. Im Jahr 1880 war die Blütezeit des Silberbergbaus am Mount Davisdon vorbei und wenig später, im Jahr 1889 war endgültig Schluß mit der Silbergewinnung auf dem Mount Davidson. Von 1859 bis 1882 schürfte man Edelmetalle im Wert von $305,779,612.48. Man hatte in einer Zeit von nur 20 Jahren 800 km Stolln in den Berg geschlagen, neue Bergbautechniken entwickelt und war bis in Teufen von 1000 m vorgedrungen. Mit dem Niedergang der Silberförderung entvölkerte sich Virginia City wieder. Die Blütezeit war vorbei.

Heute leben noch ungefähr 800 Menschen in Virginia City, die mittlererweile von etwa 2 Millionen Touristen jährlich besucht wird. Weite Teile der Stadt stehen unter Denkmalschutz, viele Häuser wurden im viktorianischen Stil restauriert.

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