Chronik des Berg- und Hüttenwesens

Im Erzgebirge wurde schon vor langer Zeit der Ausspruch "Alles kommt vom Bergwerk her" geprägt. Dieser Spruch faßt die Bedeutung des Bergbaus für die Region zusammen. Das gilt für die Landschaft mit ihren Kunstgräben und -Teichen, den allgegenwärtigen Bergbauhalden genauso wie für Industrie- und Forschungseinrichtungen, die ihren Ursprung in den Hütten und erzverarbeitenden Betrieben aus der Hochzeit des Bergbaus haben.

Die Montanindustrie in und um Freiberg hat eine über 800 jährige Tradition. Was mit zufälligen Silberfunden im 12. Jahrhundert begann machte Freiberg bald zu einem wichtigen Zentrum der erzverarbeitenden Industrie und Forschung. Auch wenn der aktive Bergbau schon lange eingestellt ist, sind seine Spuren auch heute noch allgegenwärtig.

Auf diesen Seiten finden Sie eine ausführliche Chronik des Freiberger Berg- und Hüttenwesens, von den Anfängen bis zur Stillegung der Letzten Grube.

Übersicht


Anfänge der Besiedlung (1123 - 1168)

1123 - 1158

Schon unter Konrad von Wettin, seit 1123 Markgraf von Meißen, erfolgte die Besiedlung des Vorlands über alte böhmische Steige. 1158 wird Otto von Wettin, der älteste Sohn von Konrad, Markgraf von Meißen.

1162

Am 26.02.1162 trifft Markgraf Otto Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) in Italien im neu erbauten Kaiserpalast in Lodi, nahe Mailand. Zweck des Besuches ist die Unterzeichnung einer Urkunde über die Übereignung des Landes zwischen Großer Striegis und Freiberger Mulde in der Provinz Daleminze im Bistum Meißen (800 Hufen = 277 km², entspricht 21256 ha). Das Land, das Otto bislang nur als Reichslehen besaß, soll einer vom ihm gestifteten Abtei übereignet werden. Aus diesen Plänen wird 8 Jahr später das Kloster Altzella hervorgehen.

Statue von Otto von Wettin auf dem Freiberger Obermarkt. 1168

Zufällige Entdeckung des Silbers auf dem Territorium des jetzigen Freibergs. Beginn der 1. Blütezeit des Freiberger Bergbaus. Abbau der Oxidationszone und Sedimentationszone (Reicherze)


Erste Blütezeit des Freiberger Bergbaus (1168 - 1287)

1169-1170

Markgraf Otto von Wettin nimmt nach dem Silberfund das Fundgebiet (118 Hufen Land; ca. 3125 ha) mit den Dörfern Christiansdorf, Tuttendorf und Berthelsdorf von der gestifteten Abtei zurück. Der dafür mit dem Bischof von Meissen Gerung geschlossene Vergleich sieht im Austausch Bauland für das Kloster Altzella und hohe Entschädigungen vor. Möglich ist dass er sich gleichzeitig auf einem Reichstag in Bamberg das Bergregal vom Kaiser übertragen ließ.

1170

Gründung des Klosters Altzella (Cella Sanctae Mariae). Ausrufen der Bergfreiheit: "Wo ein Mann Erz suchen will, mag er es zurecht tun" ("Wo eyn man ercz suchen will, das meg her thun mit rechte"; Berggeschrey). Die Nachricht, das in der südlichen Mark Meißen der "Berg frey" sei, führte zur Bildung der Keimzelle der späteren Stadt Freiberg (Friberck). Dieser Grundsatz des Bergrechts A (§ 9) wird erst 1307 schriftlich festgelegt und bewirkte zunächst ein wildes, unorganisiertes Abbauen des Erzes, dem schnell durch entsprechende Regelungen Einhalt geboten werden mußte.

Ruine des Klosters Altzella bei Nossen 1173-1185

Aufenthalt Markgraf Ottos in Goslar (Mai 1173). Dieser Besuch diente der Anwerbung von erfahrenen Bergleuten. In den Jahren 1180-1185 erfolgt vermehrt der Zuzug von Goslarer Bergleuten. Am 2. August 1185 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung der Freiberger Silberfunde in der ältesten noch erhaltenen Urkunde. Hauptsächlich geht es darin um den Grenzverlauf des auf Bitten Markgraf Ottos vom Kaiser gestifteten Landes. Es ist die älteste Urkunde des sächsischen Bergbaus und der erste und einzige bekannte urkundliche Beleg für den Erzfund vor 1185.

1186

Markgraf Otto verleiht Freiberg das Stadtrecht.

Altstadt von Freiberg. Das Nikolaiviertel und die Nikolaikirche entstanden vermutlich bereits um 1170. 1233

Früheste urkundliche Erwähnung des Freiberger Bergbaus in der Kulmer Handfeste (28.12.1233). Dies war eine, vom deutschen Orden ausgestellte, Städteordnung mit der die Siedlungen Kulm und Thorn zu den ersten Städten des Kulmer Landes erhoben wurden. Die darin aufgezeichneten Rechtsnormen bildeten für das gesamte Ordensland und dessen Nachbarterritorien die Grundlage für eine neue Rechtsprechung. (Kulmer Recht)

1241

Vertrag von Krummenhennersdorf. In einer am 8. August 1241 ausgestellten Urkunde, Schlichtet Markgraf Heinrich einen Streit zwischen dem Kloster Altzella und dem Rat zu Freiberg. Dieser beanspruchte Anteile am klösterlichen Bergbau. Die Urkunde gilt als Nachweis, daß auch auf dem Gebiet des Klosters Bergbau getrieben wurde und das Kloster Rechte am Bergbau hatte.

1244

Erster urkundlicher Nachweis der Freiberger Münztradition. Die Münzstätte wurde vermutlich bereits von Otto dem Reichen gegründet. Das Freiberger Bergrecht schrieb einen Ablieferungszwang des geförderten Silbers vor ("Alles Silber gehört in die Münze zu Freiberg"). Der Münzmeister musste das Bergsilber zu einem vom Landesherren vorgegebenen Preis aufkaufen und dafür Münzen herstellen.

1255

Der Landesherr überträgt dem Freiberger Rat die Rechtsprechung in Bergsachen. (Bergschöppenstuhl)

1307

Erste Niederschrift des Freiberger Bergrechts (Bergrecht A), in dem bergrechtliche Fragen in 23 Paragraphen geregelt werden. Die Urkunden befinden sich heute noch im Stadtarchiv Freiberg.

1318

Erster urkundlicher Nachweis der Existenz einer Schmelzhütte am Standort Muldenhütten in einer Erbschaftsurkunde. In einer letzwilligen Verfügung überträgt Emmerich Heinemann neben anderem seinen Schwager Hannus Anteile an den Bälgen, die er an der Mulde hat, unter der Bedingung, dass er sich an der Arbeit der Hütte beteiligt.

Verfallenen Gebaüde im Freiberger Stadtteil Muldenhütten 1318-1405

Aus dieser Zeit sind 14 Urkunden über Hütten an der Mulde, Hütten bei Hilbersdorf und unterhalb Halsbachs erhalten. Durch Rösten, Schmelzen, Treiben und Feinbrennen wurde das münzfähige Silber gewonnen. Die erste Verhüttung erfolgte in den Flußtälern unweit der Fundgruben und wurde durch diese ausgeführt.

1328

Markgraf Friedrich I. erläßt eine Bergwerksordnung und Instruktionen für den Bergmeister von Freiberg. Damit wurde der erste Grundstein für die spätere Berghauptstadt gelegt.

1346-1375

Zweite Niederschrift des Freiberger Bergrechts (Bergrecht B)

1372

Ein Hüttenraiteramt in Freiberg erstmals urkundlich erwähnt. Vom Markgraf Friedrich I. an Landgraf Balthasar und Wilhelm wird das Hüttenraiteramt für die Dauer von 10 Jahren übertragen. Offensichtlich ist schon markgraflicher Hüttenbesitz vorhanden.

1384

Erste urkundliche Erwähnung des "Alten tiefen Fürstenstollns". Der Stollnvortrieb begann mindestend 1365. Der Stolln war über 5 Jahrhunderte der am tiefsten gelegene und für die Wasserhaltung des Freiberger Reviers wichtigstse Erbstolln. (Erbstolln dienen der Entwässerung). Die Urkunde erwähnt die Übernahme des Stollnbaues von der Stollngewerkschaft für 1100 Groschen durch Freikauf (Länge damals 1500 m; Teufe 60 m).

1395

Urkundlicher Beleg über den Verkauf von vier an der Mulde gelegenen Hütten durch Nickel von Meydeburg an den Landgrafen Balthasar. Ende des 14. Jhr. befanden sich viele Schmelzhütten an der Freiberger Mulde.

1438

Anlage erster Flösse auf der Mulde von der böhmischen Grenze bis Weissenborn durch Hans Münzer für Betrieb der Schmelzhütten.

Schreckenberger / Engelsgroschen (1498/1499); Eine Silbermünze, die Kurfürst Friedrich III. mit seinem Bruder Johann und mit Herzog Albrecht (1486–1500) zeigt; Münzstätte Annaberg. 1470 - 1480

In der Mitte des 15. Jahrhunderts kommt es zur Entwicklung frühkapitalistischer Strukturen im Bergbau und Hüttenwesen. Im Jahr 1470 wird Silbererz bei Zwönitz und in Schneeberg, der Geburtsstadt des Steigerlieds entdeckt. Die älteste Darstellung von Schlägel und Eisen befindet sich auf dem Titelblatt des Buches von "Gericht der Götter über den Bergbau" (P. NIAVIS; 1475). Am 23.04.1477 ist ein Gastmahl des Landesfürsten in einem Stolln in Schneeberg belegt. Darüber hinaus sind 1477 auch Silberlieferungen vom Rammelsberg bei Muldenhütten erstmals urkundlich belegt.

1485

Absoluter Tiefstand im Freiberger Bergbau (170 kg Silber /Jahr)

1490 - 1500

Im Jahr 1490 findet man Silber in Annaberg. Ulrich Rülein von Calw wird 1497 Stadtphysikus in Freiberg. Im Jahr 1498 wird die Annaberger Münzstätte in der Frohnauer Mühle errichtet. Bis 1501 werden dort die Engelsgroschen geprägt.


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