Chronik des Berg- und Hüttenwesens

Dritte Blütezeit des Freiberger Bergbaus (1765 - 1838)

F. A. von Heynitz als sächsischer Generalbergkommissar (Gemälde 1772; Anton Graff; Quelle: Wikimedia Commons) 1765 Gründung der Bergakademie Freiberg

Eine Reisegesellschaft um Prinzregent Xaver von Sachsen bereist am 11. und 12. November 1765 Freiberg. Sachsen benötigte nach dem siebenjährigen Krieg dringend Geld. Der Bergbau und das Hüttenwesen wurden als mögliche Geldquellen gesehen, die durch bessere Ausbildung der Beamten leistungsfähiger werden könnten.

Generalbergkommissar Friedrich Anton von Heynitz und Oberberghauptmann Friedrich Wilhelm von Oppel nutzten diesen Anlaß, um auf die Notwendigkeit der Gründung einer Einrichtung für die Ausbildung höherer Bergbeamter hinzuweisen. Während der zweitägigen Besichtigung der Freiberger Berg- und Hüttenbetriebe gelang ihnen eine Beeindruckende Zurschaustellung des Freiberger Montanwesens, die von großer Bedeutung für den Beschluss zur Gründung der Bergakademie Freiberg war.

Kurze Zeit später, am 21.11.1765 wurde die Kurfürstlich-Sächsische Bergakademie Freiberg gegründet. Im Mai 1766 fanden die ersten Vorlesungen vor 19 Studenten im ersten Studienjahr statt. Die Bergakademie ist heute die älteste noch bestehende montanwissenschaftliche Bildungseinrichtung der Welt und war bis zur Gründung der TU Dresden im Jahr 1871 die höchste technische Bildungseinrichtung des Königreichs Sachsen.

1767 - 1769 Erste sächsische Wassersäulenmaschine

Eine Wassersäulenmaschine wird zur Wasserhaltung in Bergwerken einsesetzt, wo sie Wasser aus dem Bergwerk befördert. Johann Friedrich Mende wird mit einer Instruktionsreise in den Harz beauftragt um die, von Georg Winterschmidt in Zellerfeld konstruierte Wassersäulenmaschine zu studieren. Nach seiner Rückkehr fertigt er ein betriebsfähiges Model der Maschine an. Diese wurde auf der Grube Siegfried in Riechberg bei Freiberg eingesetzt und nahm ihren Betrieb 1769 als erste Wassersäulenmaschine Sachsens auf. In der folge installierte er drei weitere Maschinen im Marienberger Bergbaurevier. Es sollte sich jedoch zeigen, dass die Konstruktion noch nicht technisch ausgereift war. So traten vor allem Dichtigkeitsprobleme auf, weshalb die Wassersäulenmaschinen vorerst keine goße Bedeutung erlangten. [3]

1769 - 1780

James Watt, ein schottischer Erfinder und Ingenieur verbessert den Wirkungsgrad der Dampfmaschine entscheidend. Er verlagert den Kondensationsprozeß aus dem Zylinder der Dampfmaschine ein einen separaten Kondensator. James Watt hielt später ein von Ihm entworfenes spezielles Gestänge für Dampfmaschinen, das sog. Wattsche Parallelogramm für sein größte Erfindung.

1770 - 1789

Johann Friedrich Mende wird 1770 Kunstmeister und verbesserte den Pferde-Wassergöpel. Er läßt bei Halsbrücke ein Kahnhebehauses errichten und initiiert den Bau von Schleusenkammern, Pumpen, Gebläsen und Wasserleitungen.

Kahnhebehaus bei Halsbrücke 1774

Gründung der Königlich-Sächsischen Mineralienniederlage in Freiberg.

1776 - 1777

An der neu gegründeten Freiberger Bergschule beginnt die Steigerausbildung für den sächsichen Erzbergbau. Die Bergschule bestand bis zum 13.07.1924.

1774 - 1817

Abraham Gottlob Werner begründet den internationalen Ruf der Bergakademie.

1783

Aufstellung der ersten Dampfmaschine in Deutschland im Mansfelder Kupferschiefer-Bergbau.

1787 - 1789

Bau des Dörnthaler Kunstteiches.

1787 - 1827

Auffahren des 2213 m langen Friedrich Benno-Stollns und neuen Friedrich-Benno-Stollns.

1787 - 1791

Bau des Amalgamierwerkes in Halsbrücke. Es bleibt bis 1857 in Betrieb.

1787 - 1789

Bau des Churprinzer Bergwerkskanals und Kahnhebehaus durch Kunstmeister Mende. Er wird in der heutigen Form 1823 fertiggestellt, (Bauzeit 1787-1808), ursprünglich war er 5 km lang.

1789

Johann Friedrich Mende wird zum Maschinendirektor befördert.

1789 - 1801

Freiherr Anton von Heinitz wird Oberberghauptmann.

1798

Johann Friedrich Mende stirbt am 1. Juli 1798.

1791 - 1792 Alexander von Humboldt studiert in Freiberg

Am 14. Juni 1791 schrieb sich Alexander von Humboldt unter der Matrikelnummer 357 an der Bergakademie Freiberg ein. Für Humboldt war das Studium der Mineralogie und Geologie ein Herzenswunsch. Er lernt bei Abraham Gottlob Werner und beendet seine Studien nach 9 Monaten mit Fachwissen und Kenntnissen auf der Höhe der Zeit.

1795

Ersatz des Pferdegöpels durch einen Wassergöpel in Großschirma.

1796

Die Abraham-Fundgrube wird der Himmelfahrt-Fundgrube zugeschlagen.

1797 - 1872 Schwefel und Schlackenbad Halsbrücke

Im Jahr 1797 eröffnete ein Schwefel- und Schlackenbad in Halsbrücke. Die Badegäste waren haptsächlich Arbeiter des benachbarten Hüttenbetriebes, die sich in Badezellen mit Wannenbädern erholen konnten. Die warmen Badewässer waren ein Nebenprodukt der Kühlung von heißen Schlacken im Verhüttungsprozeß. Prozeßbedingt waren sie mit Salzen und Mineralstoffen angereichert, wodurch Ihnen, ähnlich wie natürlichen Mineralwässern eine heilende Wirkund zugeschrieben wurde. Das Bad befand sich in der Hauptstrasse 16 und wurde bis 1872 betrieben.

1801 - 1819

Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra wird Oberberghauptmann.

1808

Abteufen des tonnlägigen Schachtes auf der "Alte Elisabeth" Fundgrube über 600 m Länge bei 400 m Saigerteufe (senkrechte Tiefe). Der Schacht folgt direkt dem Erzgang , der im 45° Winkel abfällt.

Blick in den im 45° Winkel einfallenden, tonnlägigen, Schacht der Fundgrube "Alte Elisabeth" mit seiner hölzernen Fahrt. 1810 - 1811

Vom 26. - 28. September ist Johann Wolfgang Goethe bei Oberberghauptmann von Trebra und Wilhelm August Lampadius zu Gast in Freiberg. Im gleichen Jahr wird die Kunstradstube auf der "Alte Elisabeth" Fundgrube in Fels gehauen. Sie ist 14 m hoch und bleibt bis 1843 in Betrieb. Das Kunstrad nimmt zusammen mit einem Pferdegöpel im Jahr 1811 den Betrieb auf.

1816

Inbetriebnahme der ersten Gasanstalt auf dem europäischen Kontinent durch W.A. Lampadius in Halsbrücke.

Sigmund August Wolfgang Freiher von Herder; Lithografie von F. A. Zimmermann, 1841 1818

Prägung eines Ausbeutetalers der Himmelfahrt-Fundgrube anläßlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums König Friedrich Augusts (15. September). Ausbeutetaler sind historische Münzen, die aus dem Metall eines bestimmten Bergwerks geprägt wurden. Es waren gesetzliche Zahlungsmittel, die sich allerdings durch besondere Prägebilder von den anderen umlaufenden Münzen unterschieden.

1819 - 1831 Sigmund August Wolfgang Freiher von Herder

Sigmund August Wolfgang von Herder erarbeitetet seit 1813 Konzepte um den, nach den Befreiungskriegen niederliegenden Bergbau aufleben zu lassen. Unter seiner Leitung kommt es infolge der Industrialisierung des Bergbaus zu einem erneuten Aufschwung. So führte er die Steinkohle im Hüttenwesen ein, förderte die Industrialisierung (z.B. durch Einführen von Gasbeleuchtungen) und setzte strengere Aufnahmekriterien an den Forschungseinrichtungen durch. Im Jahr 1819 wird Herder Vizeberghauptmann, 1826 erfolgt die Berufung zum Oberberghauptmann, dem höchsten sächsischen Bergbeamten. Er förderte ebenfalls die Verbreitung Bergmännischen Liedgutes.

1820

Einführung der ersten erfolgreich arbeitende Wassersäulenmaschine im Freiberger Revier auf dem "Reichen Bergsegen" Schacht in Brand-Erbisdorf durch Maschinendirektor Christian Friedrich Brendel. Auf der Grube Churprinz in Großschirma wird der Pulverturm fertig gestellt. Im gleichen Jahr erfolgt der erste Einsatz der Dampfmaschine im sächsischen Steinkohlebergbau. In den Hütten des Freiberger Reviers wird erstmalig Steinkohle verwendet um Erze zu Rösten.

1822 Julius Ludwig Weisbach

Julius Ludwig Weisbach (1806-1871) in Mittelschmiedeberg bei Annaberg geboren, studierte ab 1822-1826 an der Bergakademie, 1827-28 bei Carl Friedrich Gauß in Göttingen Mathematik, 1830 in Wien bei Mohs und ging dann nach Freiberg zurück. Er wurde später das erste Ehrenmitglied des VDI (Verein Deutscher Ingenieure).

1823

Erzgebirgische Nickelerze werden durch die Erfindung des Argentans (Neusilber) durch Dr. Ernst August Geitner nutzbar gemacht. Der Bergwerkskanal zwischen Großschirma und Halsbrücke wird in der heutigen Form fertiggestellt (erbaut 1787-1808, ursprünglich 5 km lang). Es kommt zur Gründung einer Hütte an der Freiberger Mulde mit dem Namen Hütte Muldenhütten.

1825

Die Energiereserven auf Wasserbasis sind erschöpft. Es kommt zum Zusammenschluß der untere und obere Muldener Hütter zur "Muldener Hütte".

1827

Bau der Martelbacher Rösche.

1828

Reiche Silberfunde auf der Himmelfahrt-Fundgrube bei 250 m Teufe auf der 4. Gezeugstrecke des "Neue Hoffnung Flachen" Erzgangs. Fertigstellung des Dittmannsdorfer Kunstteiches.

1828

Am 28. Januar erfolgte die Inbetriebnahme des ersten Zylindergebläses in der Muldener Hütte. Christian Friedrich Brendel entschied sich für den Bau durch das hochgräfliche von Einsiedelsche Eisenwerk zu Lauchhammer.

Das 1831 erbaute Schwarzenberggebläse der Antonshütte steht heute auf dem Geländer der "Alte Elisabeth" Fundgrube 1831

Im Dreibrüderschacht führen Prof. Ferdinand Reich und C. F. Brendel Fallversuche zum Nachweis der Erdrotation durch. Der Schacht verläuft im oberen Teil senkrecht, wodurch eine Fallhöhe von 158,5 m erreicht werden konnte. Reich ließ zunächst an Fäden befestigte Zinnkugel in den Schacht fallen, die über eine Zangenkonstruktion losgelassen wurden. Da er einen zu großen Einfluß der Zangenbewegung auf die Kugeln vermutete ließ er später die Kugeln in kochendem Wasser erhitzen und über dem passgenauen Loch einer Startvorrichtung abkühlen. Da sich die Kugeln beim abkühlen zusammenzogen, fielen sie unter geringstmöglicher Beeinflußung durch das Loch der Startvorrrichtung. Im Mittel wurde eine Abweichung des Aufschlagspunktes der Kugeln von der Lotrechten von 27,5 mm gemessen. Diese Abweichung ist eine Folge der Corioliskraft und lag sehr nah am theoretisch ermittelten Wert. Damit gelang Reich eines der bedeutendsten experimente zum Nachweis der Erdrotation.

1831 - 1833 Antonstaler Hütte / Schwarzenberggebläse

1831 erfolgt die Einweihung der Antonshütte durch Oberberghauptmann von S. W. A. von Herder (König.l-Sächs.-Antons-Silber-Schmelzhütte). Am 4. Juli 1831 findet die Generalprobe des Schwarzenberg-Zylinder-Gebläses in Antonsthal bei Schwarzenberg statt. Das Schwarzenberggebläse ist ein Wasserradgetriebenes Hochofengebläse für die Schmelzhütte. In einem Brief an Brendel schreibt dessen Erbauer Heinrich Ludwig Lattermanns über das Gebläse:

"Übrigens haben mir verschiedentlich hier auch anwesend gewesene Franzosen, Engländer, Russen, Preußen und Italiener versichert, eine derartige mit so vieler Umsicht und allseitiger Berücksichtigung projektierte Gebläsemaschine noch nirgends angetroffen zu haben."

Aus dem Jahr 1833 ist ein Dokument überliefert, in dem das Oberbergamt die mangelnde Auslastung der Antonshütte beklagt.

1835 - 1839

Einführung von Stahl-Förderseilen im Freiberger Bergbau.

1838

Herder projektierte den „Tiefen Meißner Erbstolln“, der jedoch nicht mehr gebaut wurde. Dessen Funktion sollte später der Rothschönberger Stolln übernehmen. Dieser war jedoch kürzer als der von Herder geplante Stolln und wies eine 90 m geringere Teufe auf.

Am 29. Januar 1838 stirbt Oberberghauptmann Sigismund August Wolfgang Freiherr von Herder. Entsprechend seinem Wunsch wurde er in der Halde der Grube "Heilige Drei Könige" in Freiberg beigesetzt. Sein von Eduard Heuchler 1338 - 1840 gestaltetes Grabmahl kann heute noch am Rande Freibergs besichtigt werden.

"Hier Ruht der Knappen treuster Freund" - Herders Run in Freiberg. Das Grabmahl von S. A. W. Herder.

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