Chronik des Berg- und Hüttenwesens

Vierte Blütezeit des Freiberger Bergbaus (1937 - 1969)

1937

Wiederinbetriebnahme der Grube Beihilfe Halsbrücke und der Himmelfahrt-Fundgrube

1939 - 1945

Der Zweite Weltkrieg verwüstes weite Teile Europas. In Freiberg befand sich ab Mai 1944 ein Aussenlager des KZ Flossenbürg. In den Hallen der ehemaligen Porzellanfabrik arbeiteten Zwangsarbeiter an der Produktion des strahlgetriebenen Bombers Arado Ar 234. Bei einem Bombenangriff am 7. Oktober 1944 sterben 172 Menschen. Es werden 82 Gebäude zerstört, darunter das 1855 im Fachwerkstil errichtete Treibehaus der "Roten Grube".

Am 7. Mai 1945 marschiert die Rote Armee in Freiberg ein. Oberbürgermeister Werner Hartenstein übergibt die Stadt kampflos. In der Folgezeit werden wichtige Ausrüstungsgegenstände der Gruben zur Deckung von Reparationsansprüchen der UdSSR demontiert. Am 30. Juni stellt die Hütte in Muldenhütten die Arbeit ein.

Färbergasse in Freiberg. Fotografiert von K. A. Reymann.
Soldatenstandbild auf dem Friedhof für die Gefallenen der Roten Armee in Freiberg

Der Freiberger Fotograf Karl August Reymann stirbt ebenfalls 1945. Seine Bilder sind heute wichtige Zeitdokumente von Bergbau und Alltagsleben in und um Freiberg.

1946 - 1947

Bereits 1946 kommt es zur Wiederaufnahme des Freiberger Bergbaus im Halsbrücker Revier durch die Wismut AG (später SDAG Wismut; Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft). Es beginnen Untersuchungsarbeiten mit dem Ziel der Uranerzförderung für den Bau sowjetischer Atombomben. In den Jahren 1946 - 1947 werden die Gruben "Beihilfe" in Halsbrücke und "Himmelfahrt" in Freiberg wiederaufgebaut. Die übrigen Gruben blieben bis zur Höhe des Rothschönberger Stollns geflutet.

Im Oktober 1947 wird das "Erkundungsobjekt 26" gebildet, das seine Arbeit am 1. November aufnahm. Zunächst wurden vorhandene Unterlagen ausgewertet. Das Vorkommen von Uranerzen im Freiberger Raum wurde von Franz Kirchheimer wie folgt beschrieben [11]:

  • 1883: 0,492 t Uranerze vom Kalb-stehenden
  • 1886: 0,122 t Uranerze
  • 1887-89: 3,689 t Uranerze vom Gang Komet-Flacher und Komet-Stehender
  • 1894: 0,430 t Uranerze
  • 1897: 1,702 t Uranerze

Nach 1947 begann man mit der Untersuchung von Altbergbauhalden. Von den 560 registrierten Halden wurden 85 näher untersucht, auf 7 der untersuchten Halden fand ein Versuchsabbau statt. Nach einer Durchkuttung der Halden von "Glückauf-Schacht", "Frankenschacht" und "Vertrau-auf-Gott-Schacht" im Himmelfürster Grubenfeld wurden die Arbeiten abgebrochen. Bis zur Einstellung der Arbeiten hatte man 450 kg Erz mit 7,7 kg Uran aussortiert.

1947 - 48

Wiederaufnahme des Bergbaus im Grubenfeld Brand-Erbisdorf.

1948 Erkundungsarbeiten Uranversuchsabbau im Freiberger Revier

Die SAG Wismut nimmt die Arbeit in der Hütte Muldenhütten auf. Es erfolgt die Umbenennung in "Erkundungs- und Gewinnungsobjekt 15", das bis 1950 tätig sein sollte. Man beginnt mit untertägigen Erkundungsarbeiten, welche zunächst parallel zum Buntmetallbergbau durchgeführt wurden. Das Grubenfeld "Beihilfe" erwies sich als nicht höffig in Bezug auf Uranerze (kein reichen Vorkommen gefunden). Im Gebiet der Himmelfahrt-Fundgrube fand man auf der 11 - 13. Gezeugstrecke Uranvererzung.

Die Erkundungsarbeiten im Grubenfeld Himmelfürst verliefen erfolgversprechender. Daher begann man parallel zur Revision der oberen Sohlen mit der Sümpfung (Trockenlegung) der Baue unterhalb des Rothschönberger Stollns. Uranerze wurden im Bereich der 7. - 12. Gezeugstrecke nachgewiesen. Für deren Förderung wurden der "Glückauf-Schacht" (666 m) und der "Frankenschacht" (544 m) wieder nutzbar gemacht. Es wurden 26 uranführende Gänge untersucht. Davon erwies sich nur ein einziger, der Gang "Boris", als unverritzt (vom Bergbau noch nicht angegriffen).

Im Juli 1948 übernimmt die SAG Wismut die Grubenanlagen. Die Gruben "Alte Elisabeth" und "Abraham-Schacht" wurden unrekonstruiert als Wetterschächte genutzt. David-Schacht, Reiche Zeche und Turmhofschacht dienten als Förderschächte. Die Himmelfahrt-Fundgrube blieb bis zur endgültigen Einstellung des Uranerzbergbaus im Jahr 1950 das Zentralrevier.

Pechblende (Bildquelle: Wikimedia Commons; User: Weirdmeister; CC by SA)

In der Grube "Beschert Glück" bei Zug wurden die oberen Sohlen in einem Teufenbereich von 250 m bis zum Rothschönberger Stolln aufgewältigt und einer Revision unterzogen. Bergarbeiten erfolgten nur kurzzeitig unter Nutzung des Röschenschachtes von "Beschert Glück" (Schacht 190) und hatten nur geringen Erfolg. Von einer Sümpfung der tiefen Baue wurde daher abgesehen. Ebenfalls wenig erfolgreich war die Sümpfung des Reviers der Morgenstern Fundgrube bei Muldenhütten. Bei der Revision der oberen Sohlen wurde Uranvererzung auf dem Morgenstern-Morgengang festgestellt. Bei einem Versuchsabbau wurden jedoch nur geringe Mengen gefördert, so das die Arbeiten eingestellt wurden.

Insgesamt wurde eine Uranhöffigkeit von 65 Gängen festgestellt. Träger der Uranvererzung waren Pechblende und Uranschwärze. Im Himmelfahrter Revier waren 22 der 36 bebauten Gänge bereits bekannt. Die Lokalisation der Uranvererzung war hier recht offensichtlich. Die Erzlinsen konzentrierten sich in den Scharungsbereichen älterer Gänge der kiesig-blendigen-Formation mit jüngeren Gängen der fluor-barytischen-Formation. Die Erzfälle reichten beiderseits bis 5 m vom Gangkreuz, so dass eine maximale Breite von 10 m erreicht wurde. Eine Ausnahme stellte der Selig-Trost-Stehende dar, ein Gang der kiesig-blendigen Bleierzformation (kb). Dieser wies ohne sichtbare Überprägung in einem größerer streichenden Bereich Uranerz auf. Der Gang war mit mehr als 1 t Uran der bedeutendste Freiberger Uranerzgang. Die wichtigsten Uranerzgänge des Himmelfürster Reviers waren Christian-Stehender, Komet-Flachen und Vertrau-auf-Gott-Flachen. Insgesamt gewann die SAG Wismut im Freiberger Revier ca. 5,4 t Uran. Im Vergleich mit anderen Revieren war das eine geringe Fördermenge, weshalb sich im Freiberger Revier kein nachhaltiger Uranerzbergbau entwickeln sollte.

1953

Bau eines neuen eisernen Fördergerüstes auf dem Abrahamschacht nach dem Vorbild von 1887.

1955 - 1958

Untertagebohrungen in Tiefen von 1320 m im Freiberger Revier und bis zu 1830 m im Brander Revier erbrachten noch keinen Nachweis des Freiberger Granits, durchbohrten jedoch Gänge mit normaler kb-Mineralisation.

Abrahamaschacht mit Fördergerüst, wie es bis 1953 bestand.
Abrahamschacht im Jahr 2020
1960

Restaurierung des Schachtgebäudes des Abraham-Schachtes als Wassergöpel-Förderhaus nach dem Vorbild von 1838.

1960 - 1965

Verrohrung des Himmelfahrter Kunstgrabens östlich der Frauensteiner Straße und Abtragen des Dammes.

1962

Auffahrung einer Hauptförderstrecke vom David-Schacht zum Brander Revier

1963

Am 19. Mai 1963 wird eine Schwebeschmelzpilotanlage zur Anreicherung von Zinn aus armen Konzentraten in Betrieb genommen. In den 50iger Jahren hatte Prof. Dipl.-Ing. A. Lange im Metallhütten-Institut das Schwebeschmelzverfahren zu technischer Reife gebracht. Verarbeitet wurden arme Konzentrate aus Altenberg mit einem Zinngehalt von weniger als 10 %. Der anfallende Flugstaub mit einem Zinngehalt von 60 - 70% wurde inder Zinnhütte weiterverarbeitet. In der Anlage wurden bis zur Stillegung im Jahr 1975 mehr als 2600 t Zinn im Flugstaub gewonnen und der Zinnhütte zur Verhüttung übergeben.

1968

Stillegung der Kavernenkraftwerke von Dreibrüderschacht und Konstantinschacht.

Der im Jahr 1969 stillgelegte Davidschacht, wie er sich im Jahr 2007 präsentierte. 1968 - 1970 Ende des Freiberger Bergbaus

Auf das Jahr genau 800 Jahre nach den ersten Silberfunden erfolgt in den Jahren 1968 bis 1970 die planmäßige Einstellung des Freiberger Erzbergbaus (Pb, Zn, S, As) aus Rentabilitätsgründen.

Am 10. Juli 1969 wird der letzter Grubenhunt auf der Hängebank des Davidschachts entlehrt. Am 18. Juli 1969 erfolgt die letzte Lieferung von Bleikonzentrat aus Freiberger Gruben nach Muldenhütten, danach erfolgt der Ausbau von Muldenhütten zur Sekundärrohstoffhütte.

Im Jahr 1970 sind alle Gruben geschlossen.

Zeit nach dem aktiven Bergbau (1969 - Heute)

1972

Übergabe der neuen Freiberger Zinkhütte in Muldenhütten.

1973

Aufnahme der Technologie der galvanischen Teilveredlung von Kontaktkämmen und Errichtung eines Kontaktprüffeldes in der Hütte Halsbrücke. Inbetriebnahme der ersten Druckoxidationsanlage.

1981 - 1995

Der Schacht "Reiche Zeche" und seine untenliegende Grubenbaue werden aufgewältigt.

1993 - 1994

Rückführung der Grube "Reiche Zeche" vom Freistaat Sachsen an die TU Bergakademie Freiberg.

2002

Durch ein Hochwasser im August 2002 kommt es zu verbrüchen im Rothschönberger Stolln. Die historisch wertvollen, konservierten Untertageanlagen des stillgelegten Kavernenkraftwerks des Dreibrüderschachts werden dabei überflutet und beschädigt.

2019

Die vom Bergbau geprägte Landschaft der Montanregion Erzgebirge wird in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Dazu zählen auch die historischen Gruben-, Wasserhaltungs- und Industrieanlagen des Freiberger Reviers.


Quellenangaben

Das Quellenverzecihnis ist unvollständig. Diese Webseite basiert auf einer Zusammenstellung von Dr. Hans-Joachim Berg, welche ursprünglich für Übertageführung auf der Grube "Alte Elisabeth" erarbeitet wurde. Beim Überarbeiten des Textes für diese Webseite wurden Fakten nachrecherchiert und korrigiert. Quellen sind hier aufgelistet, insofern sie ermittelt werden konnten.

  1. Otfried Wagenbreth: "Der Freiberger Bergbau. Technische Denkmale und Geschichte."; Hrsg.: Eberhard Wächtler. 2. Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1988, ISBN 3-342-00117-8.
  2. Herbert Pforr, Reimund Brendler: "Exkursionsführer Lehrgrube "Alte Elisabeth", Heft 1: Die Tagesanlagen der Lehrgrube "Alte Elisabeth""; Hrsg.: TU Bergakademie Freiberg, Freiberg 1981
  3. Autorenkollektiv: "ABC Fachlexikon Forscher und Erfinder." Brockhaus Verlag Leipzig DDR/Verlag Harri Deutsch Frankfurt BRD 1992, Johann Friedrich Mende Seite 398–399, ISBN 3-8171-1258-0.
  4. L. Mitka, H.-J. Boeck: Das "Zentralrevier" in Freiberg" Internetauftritt www.unbekannter-bergbau.de, 2013
  5. Klaus Grund, Manfred Bayer: Zur Geschichte des Freiberger Bergbaues" Internetauftritt der TU-Bergakademie Freiberg
  6. Thomas Krassmann: "Fahrkünste - Vom Harz in die Welt (Ein montanhistorischer Beitrag zur Geschichte der Fahrkünste)" Internetauftritt Mineral & Exploration; Thomas Krassmann
  7. Unbekannter Autor: "Ueber Gesteinsbohrmaschinen und die Anwendung comprimirter Luft beim Grubenbetrieb." Polytechnisches Journal 1871, Band 201, Nr. III. (S. 6–13)
  8. Wikipedia Autoren: "Comstock Lode" Wikipedia, The Free Encyclopedia; https://en.wikipedia.org/wiki/Comstock_Lode
  9. Bericht im Jahrbuch für das sächsische Berg- und Hüttenwesen. Jahrgang 1882, Teil 2, S. (397)/161.
  10. Jens Pfeifer: "Die Fahrkünste im Freiberger Revier mit besonderer Berücksichtigung des Fahrkunstunglücks vom 29. Februar 1880 auf dem Abrahamschacht der Himmelfahrt Fundgrube." veröffentlicht in "Bergbau und Kunst. Band III Technische Künste (Wasserkunst, Wetterkunst, Markscheidekunst, Förderkunst, Fahrkunst, Schmelzkunst etc.)"; Hrsg.: Wolfgang Ingenhaeff, Johann Bair,Berenkamp Verlag, Wattens,2013, Seite 195-225.
  11. Franz Kirchheimer: "Das Uran und seine Geschichte"; Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, 1963

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